FRANK FUKALA

Diplom-Betriebswirt (FH)
Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH)
CISA • Certified ISO/IEC 27001 Auditor
CCNA Security • CCDA

Tel. +49 511 3539360
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Zwischen Cumulus und Cirrostratus

Warum das mit der Cloud nicht so einfach ist.

Manche Dinge erscheinen so einfach, bis man beginnt sich mit ihnen zu beschäftigen oder wussten Sie, dass Wolken in 10 Gattungen und jede davon in Arten und weiter in Unterarten unterteilt werden?[1]

Ähnlich verhält es sich mit der digitalen Wolke – dem Cloud Computing.[2]

Die einen nennen es Hype - unter anderen Namen (ASP, Server-Hosting und IT-Outsourcing) ist schon seit Jahren alles im Einsatz – und andere nennen es disruptive Technologie[3] und prophezeien damit das Ende der bekannten IT und den Aufbruch in neue Dimensionen.

Sicher ist nur, dass es sich um ein komplexes Thema handelt, mit dem sich Unternehmen auseinander setzen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Worum es eigentlich dabei geht:

Versuchen wir zunächst zu begreifen, worin eigentlich die Komplexität bei diesem Thema liegt:

Darstellung der Komplexität im Cloud Computing

Was auf den ersten Blick an einen Zauberwürfel aus den 80er Jahren erinnert ist eine Visualisierung der unserer Meinung nach wesentlichen Dimensionen, die zum Thema Cloud Computing relevant sind.

Hier haben wir die unterschiedlichen Infrastrukturen die möglich sind, die verschiedenen Einsatzzwecke sowie die unternehmensindividuell zu beachtenden Aspekte. Erläutern wir kurz die einzelnen Begriffe:

Infrastruktur:

  • Public Cloud = eine grds. für jeden zugängliche und variable Infrastruktur in Form von Hardware (Speicherplatz, Rechenleistung) und/oder Software (bspw. Amazon EC2, IBM SmartCloud, Microsoft Azure u.a.)
  • Private Cloud = Betrieb einer variablen Infrastruktur durch ein einzelnes Unternehmen (eigenes Rechenzentrum)
  • Hybrid Cloud = gleichzeitige Nutzung von Public und Private Cloud durch ein Unternehmen


Einsatzzweck:

  • Software as a Service (SaaS) = Bereitstellung von Software (bspw. Microsoft Office 365, Google Apps for Business, Salesforce.com aber auch Webmailer wie WEB.de oder GMX)
  • Platform as a Service = Bereitstellung von Entwicklungs- oder Anwendungs-Infrastruktur-Plattformen (bspw. Microsoft Azure, force.com, Google AppEngine usw.)
  • Infrastructure as a Service = Bereitstellung von Rechenleistung, Speicherkapazität und Netzwerkinfrastruktur (bspw. Amazon Web Services wie EC2 oder S3, aber auch durch Firmen wie Dell, HP, IBM, 1&1 und die Telekom)


Betriebliche Aspekte:

  • Ökonomisch = ist der Einsatz von Cloud Computing Technologie für mein Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll? Hier sind neben dem direkten Kostenvergleich auch andere Faktoren zu berücksichtigen, wie evtl. Abhängigkeiten vom Dienstanbieter, Verlust von Flexibilität oder Folgekosten durch notwendige Änderungen an der IT-Infrastruktur und vor- und nachgelagerten Systemen
  • Rechtlich = in der aktuellen Diskussion in Deutschland ist das dominierende Thema der Datenschutz (hier vor allem im Zusammenhang mit US-amerikanischen Dienstanbietern in Verbindung mit dem US Patriot Act). Genauso spannend sind hingegen die vertraglichen Regelungen mit dem Anbieter (sog. Service Level Agreements - SLAs), die entscheidend für mein Unternehmen sein können, wenn es zu Störung oder Ausfällen der Dienste, zu Datenverlusten oder letztlich zur Frage der Datenmigration in ein anderes System beim Wechsel eines Anbieters kommt.
  • Organisatorisch = ist mein Unternehmen überhaupt bereit für Cloud Computing? Diese Frage darf nicht in der IT-Abteilung beantwortet werden, denn hier stehen meist rein technische Aspekte im Vordergrund. Zu klären sind aber die Fragen, ob ich meine Geschäftsprozesse beibehalten oder vielleicht sogar verbessern kann, ob meine IT-Strategie schon bereit ist für die Integration dieser Technologie und ob meine Mitarbeiter bereits in der Lage sind, diesen Wechsel zu begleiten.

 

Diese Erläuterungen sind nicht abschließend, aber es wird bereits deutlich, dass es „die“ Cloud Lösung, die für alle Unternehmen geeignet ist, nicht geben kann.

 

Warum sich Unternehmer mit dem Thema Cloud Computing befassen müssen:

Technologien entwickeln sich weiter und was wir in den letzten Jahren in der IT beobachten und sich speziell im Thema Cloud Computing zeigt, ist die Industrialisierung der IT. Software wird mit jedem Release stabiler, der "normale" Anwender kann heute eine Linux Distribution ohne größere Probleme installieren und in den meisten Fällen brauchen Sie zur Inbetriebnahme von Hardware wie PCs oder Druckern keine Spezialisten mehr. Vergleichbar mir der Automobilindustrie, gewinnen wir ständig Komfort und Sicherheit hinzu, verlieren aber mit jedem weiteren Entwicklungszyklus auch das Verständnis für die dahinterliegende Technik und damit die Fähigkeit »selbst Hand anzulegen«. Mit dem Cloud Computing beginnt nun diese Zeit in der IT.

Deswegen muss ich mich als Unternehmer mit dem Thema Cloud Computing auseinandersetzen – um so früher, je mehr sich meine Geschäftsstrategie auf die IT stützt !
Denn Cloud Computing kann mir eine höhere Effizienz und eine Risikoreduzierung im Betrieb meiner IT verschaffen und mir dadurch die Konzentration auf meine Kernkompetenzen erlauben.

Im Gegenzug müssen aber die Konsequenzen bewusst sein:

  • Tausche ich mein lokales Rechenzentrum gegen die Cloud, dann bekommt bspw. die Verfügbarkeit und Bandbreite meines Internetzugangs eine ganz neue Bedeutung.
  • Eine ortsunabhängige Verfügbarkeit meiner Anwendungen und Informationen, vor allem unter Berücksichtigung von Smartphones und Tablets stellt ganz andere Anforderungen an das Thema Informationssicherheit.
  • Die Abhängigkeit von externen Dienstleistern, speziell von den Dienstanbietern nimmt zu. Und wer garantiert hier die Fortführung einer von mir genutzten Applikation / Technologie, wenn sie für den Anbieter nicht mehr wirtschaftlich erscheint oder durch die Konkurrenz übernommen wird?[4]

 

Was bedeutet das für mich und mein Unternehmen?

Ja nach Situation lässt sich eine solche Liste beliebig fortschreiben und führt damit zur Kernaussage hin:

Mit dem Thema Cloud Computing nimmt die Notwendigkeit das Thema IT im Unternehmen als strategisches Thema zu behandeln weiter zu!

Geschäftsstrategie und IT-Strategie sind in Einklang zu bringen!

Werden heute Entscheidungen im Bereich IT oft aus operativen Überlegungen heraus getroffen, muss zukünftig mehr denn je die Formulierung einer IT-Strategie und deren Abstimmung mit der Geschäfts- und Risikostrategie erfolgen.

Wie unser oben dargestellter »Zauberwürfel« zeigt, ist hierzu ein hohes Maß an interdisziplinärem Know-how für Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung notwendig. Und als Unternehmer stehen wir wie so oft vor der Aufgabe, die dazu notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen und die geeigneten Partner[5] zu finden.



[2] Eine allgemeingültige Definition des Begriffes existiert nicht, aber in Fachkreisen wird oft die Definition der US-amerikanischen Standardisierungsstelle NIST verwendet: "Cloud Computing ist ein Modell, das es erlaubt bei Bedarf, jederzeit und überall bequem über ein Netz auf einen geteilten Pool von konfigurierbaren Rechnerressourcen (z. B. Netze, Server, Speichersysteme, Anwendungen und Dienste) zuzugreifen, die schnell und mit minimalem Managementaufwand oder geringer Serviceprovider-Interaktion zur Verfügung gestellt werden können."

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Disruptive_Technologie

[5] Aber dafür müssen wir zum Glück nicht immer nach USA schauen, wie auch Initiativen aus Deutschland (bspw. http://deutsche-wolke.de) zeigen.